DenkWelten e.V.



Visualisierung der Pilotausstellung

Zimmer mit Einsicht

Die erste DenkWelten-Pilotausstellung sollte mit einer geringen Zahl von Exponaten in kleinem Rahmen das Konzept des geplanten Museums demonstrieren. Sie wurde unter dem Titel »Zimmer mit Einsicht. Philosophische Ideen im Modell« vom 2. Mai – 9. Juni 2013 im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main gezeigt. Die hier gezeigten Bilder wurden dort fotografiert.

Exponate

(Beachten Sie bitte auch unsere weiteren Objekte, die bei weiteren Ausstellungen und letztlich in einer Dauerausstellung Platz finden sollen. Alle unsere Exponate können ausgeliehen werden.)

Cassirer: Der Apfel im Spektrum der symbolischen Formen

Vignette Cassirer (vier Vitrinen)Sprache, Mythos, Religion, Kunst, Wis­sen­schaft und Geschichte, je nach betrachteter Quelle auch Ethik, Recht und Technik, sind grundlegende, nicht aufeinander reduzierbare Weisen des Tuns und Erlebens: symbolische Formen. Die auf diesem Konzept beruhende Kulturphilosophie Ernst Cassirers gehört zu den wichtigsten philosophischen Großtheorien des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Installation besteht aus verschiedenen symbolischen Formen zugeordneten Vitrinen, die alle an dasselbe stiftende »sinnliche Zeichen« anknüpfen: einen Apfel. (mehr...)

Frege: Der Morgenstern ist der Abendstern

Vignette FregeGottlob Frege ist einer der wichtigsten Logiker aller Zeiten und der Vater der analytischen Philosophie. Eine Grundlage seines Sprachverständnisses ist der Unterschied zwischen Sinn und Bedeutung: die Bedeutung eines Zeichen ist das, was es bezeichnet, der Sinn jedoch die »Art des Gegebenseins« des Bezeichneten. So haben die Ausdrücke »Morgenstern« und »Abendstern« dieselbe Be­deu­tung (den Planeten Venus), aber unterschiedlichen Sinn. Unser Exponat ver­deut­licht dies mit Hilfe eines Schaukastens, der ein zweigeteiltes Stadtdiorama enthält: je nachdem, von welcher Seite man einblickt, sieht man die Stadt in der Morgen- oder in der Abenddämmerung. Von beiden Seiten ist derselbe Himmelskörper zu sehen, einmal als Abend-, einmal als Morgenstern. (mehr...)


Heidegger: Werk-Zeug

Vignette HeideggerFür Martin Heidegger besteht die Lebenswelt des Menschen unter anderem aus »Zeug«, das heißt, aus Gegenständen, die zu gebrauchen sind, um bestimmte Zwecke zu erfüllen. Dabei steht alles Zeug untereinander in Verbindung dadurch, dass Dinge aufeinander verweisen: der Nagel auf den Hammer, mit den man ihn einschlägt, das Auto auf die Straße, die damit befahren wird, die Zitronenpresse auf die Frucht, die damit ausgedrückt wird. Die Installation zeigt alltägliche Gegenstände, die ohne ihren Gebrauchskontext (im »Zeug­zu­sam­men­hang«) nicht ohne weiteres zu iden­ti­fi­zie­ren sind, deren intendierter Zweck (»Um-zu«) im entsprechenden Kontext jedoch sofort klar wird. (mehr...)


Kant I: Universalisierbarkeit von Handlungsregeln

Vignette Kant-VideoexponatIn vielen ethischen Theorien, deren berühmteste die Kants ist, ist das Haupt­kri­te­ri­um dafür, ob Handlungen wün­schens­wert sind oder nicht, ihre Uni­ver­sa­li­sier­bar­keit: Nur wenn es sich widerspruchsfrei denken lässt, dass nicht nur eines oder viele, sondern aus­nahms­los alle handelnden Subjekte sich an eine bestimmte Regel halten, kann man diese gutheißen. Das Exponat ist ein interaktiver Film: Ein Druck auf einen Knopf lässt zwei Gruppen von Menschen in entgegengesetzter Richtung einen Platz überqueren. Vorher kann über einen Auswahlschalter eine Strategie gewählt werden, die die Akteure anwenden, um mit Entgegenkommenden umzugehen. Wie universell die jeweilige Regel anwendbar ist oder nicht, wird sofort sichtbar. (mehr...)


Kant II: »Table of the Elements of Mind II« (Axel Weiß)

Vignette 'Table of the Elements of Mind II'Ein Gemälde unseres Beiratsmitglieds Axel Weiß, inspiriert von einer Illustration zu Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft aus der Encyclopaedia Londinensis (1825). a href="elements-of-mind.html">(mehr...)


von Uexküll: Organismus und Umwelt

Vignette von UexküllDer uns alltäglich geläufige Ausdruck »Umwelt« verdankt seinen Eingang in die deutsche Sprache dem Biologen und Philosophen Jakob von Uexküll. Eine seiner wichtigsten Ideen besagt: Unterschiedliche Organismen, auch wenn sie alle dieselbe Umgebung besiedeln, leben in un­ter­schied­li­chen (Um-)Welten, weil sie auf un­ter­schied­li­che Merkmale in der Umgebung hin agieren. Der Vergleich zwischen den verschiedenen Umwelten verschiedener Organismen wird hier veranschaulicht durch Bildpaare, die als elektronisches Memoryspiel auf einem Touchscreen präsentiert werden.

Wittgenstein: Die Welt ist alles, was der Fall ist

Vignette WittgensteinDie Vorstellung, dass sich die Welt vollständig durch das Nebeneinanderstellen von Aus­sa­ge­sät­zen beschreiben lasse, die angeben, was »der Fall ist«, gehört zu den einflussreichsten der modernen Philosophie und ist eng verbunden mit Ludwig Wittgensteins frühem Hauptwerk, dem Tractatus logico-phi­lo­so­phi­cus. Die Installation nimmt diese Vorstellung auf: sie präsentiert einen möblierten Raum, reduziert auf weiße Flächen und Quader, die lückenlos mit Aussagesätzen bedruckt sind. (mehr...)


Hintergrund

Vignette Lesesofa in der AusstellungDas Ziel der Ausstellung ist es, das Philosophieverständnis der Besucher anhand einzelner Beispiele grundlegend zu erweitern, indem philosophische Fragen aus der akademischen Praxis herausgestellt werden und einen eigenständigen Raum einnehmen. Gleichzeitig wird so die Möglichkeit de­mon­striert, ab­strak­te Inhalte zu thematisieren ohne sie auf Phi­lo­so­phie­ge­schich­te zu reduzieren, wie dies in populären Debatten häufig geschieht. Der künstlerische Anspruch der Exponate leistet den Querbezug auf die – häufig verborgenen – ästhetischen Qualitäten jeglicher philosophischen Reflexion. Anhand von praktischen Beispielen sollen die ausgestellten Denkwelten direkten Bezug zu alltäglichen Erfahrungen herstellen. So kann zum Beispiel Cassirers abstrakte Überlegung an einem Apfel veranschaulicht werden, und durch den ihr zugeordneten Begleittext mit unterschiedlichen Interpretationen des Familienbegriffs durch Religion, Recht, Wissenschaft usw. verbunden werden. Der Grundgedanke Cassirers wird so in Bezug zur Lebenswelt des Besuchers gesetzt. In vertiefenden Begleittexten werden sowohl Bezüge zu den Primärquellen als auch kurze biographische und kulturgeschichtliche Eckdaten vorgestellt. Die dargestellte Denkwelt wird nochmals in einen philosophiehistorischen Kontext erläutert.


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